Schaffenskrise, Sinnkrise, etwa Depressionen? Jedenfalls acht Jahre hat sich Gillian Welch Zeit für ihr neues Album „The Harrow & The Harvest“ gelassen. Verständlicherweise, glaub ich jedenfalls, denn Songs wie die von ihr und Co-Autor und Gitarrist Dave Rawlings fallen nicht vom Himmel. Acht Jahre sind verstrichen und Welch macht genau da weiter, wo sie auch aufgehört hat. Natürlich lag sie nicht auf der faulen Haut, sie tourte (ein wenig) und arbeitete mit den Decembrists zusammen - und letztlich bereiteten Welch und Rawlings den Grund für dieses neue Album vor. „The Harrow & The Harvest“ klingt wie einst. Noch immer zieht die Erneuerin des Bluegrass ihre Inspiration aus Old Time und den Songs der Appalachen - und es wundert den Fan schon lange nicht mehr, dass ihre Lieder klingen als hätten sie den Ballast von Jahrhunderten auf den Schultern, als hätten sie die ersten Siedler mit der Mayflower ins Land gebracht. Doch alles kommt aus dem Hier und Heute. Man könnte „The Harrow & The Harvest“ fast schon ein Konzeptalbum nennen, auf jeden Fall aber ist es eines der besten, die Welch & Rawlings jemals ablieferten. Allerdings verlangt es vom Hörer - manchmal jedenfalls - Geduld und die Muße sich der Musik auszuliefern. Und den tieferen Sinn zu ergründen, er schon beim Cover beginnt. Es zeigt unsere beiden Protagonisten wie Tarot Figuren und die Songs sind ein ums andere Mal so gekonnt einfach in Töne gesetzt, dass der verschrobene Behörer Mystisches vermutet. Solche Songs zu schreiben, ist die Kunst von Gillian Welch. Es ist nicht ihr Ding sich nach den Moden zu richten, nicht alles miteinander zu verschmelzen, sie bleibt bei einem sehr hohen Leisten, den nicht viele zu berühren schaffen, nicht mal auf Zehenspitzen. Welch und ihr Partner Dave Rawlings haben zehn Songs geschrieben, Songs die klingen vertraut aus alten Zeiten herüber aus der Zukunft; mit schnell, schnell und husch husch kann man Welch nicht kommen. Und wie alles endet, macht sie uns dann mit dem Schlusstitel klar: THE WAY THE WHOLE THING ENDS. Allerdings hoffe ich, dass nicht wieder acht Jahre verstreichen bis zum nächsten Album. Uwe Golz
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CD des Monats August 2011
Warner / Acony Records
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