Crooked Still
Some Strange Country
Den selbsternannten Wächter klassischer Musik muss eine Band wie Crooked Still Tränen in die Augen treiben. Die Damen und Herren haben alle an so renommierten Universitäten wie dem Berklee College of Music oder dem New England Conservatory of Music in Boston studiert und dann einfach eine Bluegrass-Band gegründet. Album Nummer 5 trägt den Titel „Some Strange Country“, doch so merkwürdig wie es uns der Titel weiß machen will ist Crooked-Musik gar nicht, eher merk würdig.
Auf jeden Fall manifestiert die Band mit diesem Album ihren Ruf eine der innovativsten Formationen des Genres zu sein und das liegt nun wahrlich nicht am Cello. Faszinierend ist ihre Mischung aus Tradition bis hin zu den Stones und so ist „You Got The Silver“ dann auch einer meiner Anspieltipps. Ursprünglich auf dem „Let It Bleed“-Album (1969 war’s) der Stones zu hören, kann ich jedenfalls gut auf Mick Jagger verzichten, nachdem ich Aoife O’Donovans Version gehört habe.
Es gibt wenige Bluegrass Bands des 21. Jahrhunderts die mit diesem Quintett aus Neu England mithalten können. Das liegt zum Einen an der glasklaren und faszinierenden Stimme von Aoife O’Donovan, zum Anderen an der perfekten Beherrschung der Instrumente - dieser Perfektion ermöglicht ihnen dann auch diese scheinbare Leichtigkeit bei musikalischen Grenzüberschreitungen. Jazzlicks schummeln sich ein, wo sie niemand erwartet, und Zitate aus der klassischen Musik oder der keltischen Tradition sowieso. Als Gäste hatten Crooked Still Ricky Skaggs und Tim O’Brien mit im Studio, beide gestandene Veteranen der Bluegrass- und Roots-Musik, und zusammen mit ihren Gästen erfindet das Quintett die Tradition aufs Neue - ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. „Some Strange Country“ ist einfach das grandiose Album einer grandiosen Band. Uwe Golz
CD des Monats Juni 2010
Signature Sounds (in-akustik)
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