Rosanne Cash
The List
Wäre es einer Dame gegenüber nicht unhöflich, dann würde ich mit Fug und recht behaupten, mit jedem Jahr, das sie älter wird, wird Rosanne Cash besser. Schon ihr 2006er-Album „Black Cadillac“, mit dem sie den Tod ihres Vaters, ihrer leiblichen Muter Vivian Liberto und ihrer Stiefmutter June Carter-Cash verarbeitete, traf ins Herz – aber mit „The List“ hat sie noch einmal ein Pfund dazugelegt.
Entstanden ist dieses Album nach einer Song-Liste die ihr einst Papa Johnny gab, in der Hoffnung Rosanne mit den Songs der Liste zur Country-Musik bekehren zu können. Dieses Versuch gelang aufs Trefflichste, denn was Rosanne Cash – nicht nur mit dem neuen Album, sondern seit Jahren abliefert – ist Countrymusik wie sie auch der alte Cash geliebt hätte. Weit weg vom Nashville-Mainstream, singt Rosanne Cash wie es ihr gefällt. Für „The List“ hat sie sich noch zusätzlich Unterstützung ins Studio geholt und so kommen auch die Herren Jeff Tweedy, Elvis Costello, Rufus Wainwright und der Boss, Bruce Springsteen, zu Ehren.
Mit „The List“ hat Rosanne Cash das gute Dutzend ihrer Alben vollgemacht und ein besseres Album hätte sie dafür nicht machen können. Ganz im Geist des großen Johnny ist diese Platte letztlich auch ein Vermächtnis von Papa. Zwar ist „The List“ ein Coveralbum, aber eins, dass wie ein Original klingt. Wenn doch nur alle Coverversionen dieser Welt so klängen, wie die von Rosanne Cash, um unsere Musikwelt wäre es weit besser bestellt. Sie selber sagte dazu: „Dieses Album hat es mir ermöglicht, die Verbindung zu meinem Erbe zu knüpfen und alle Fäden miteinander zu verbinden: Vergangenheit und Zukunft, Vermächtnis und Jugend, Tradition und Zeitlosigkeit.“
Es ist ihr gelungen. Mögen sich die Kritiker darüber streiten, ob Rosanne Cash da nun Country oder Alternativ Country macht, mir ist es einerlei. „The List“ ist nicht nur ein grandioses Album, zurückhaltend produziert und doch mit dem nötigen Groove, es ist ein Album, das man im Schrank haben sollte, auch dann, wenn sich bereits alle Songs im Original dort finden. Es fehlen eben Rosannes Versionen. Uwe Golz
Deutsches VÖ-Datum: 29. Januar 2010
(Manhattan)
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