Van Morrison
PAY THE DEVIL
Van Morrison - Pay The Devil
Polydor / Universal
Er ist eine lebende Legende - musikalisch und menschlich. Die Stimme Europas in Sachen Soul und Blues, stets mürrisch und missmutig - und doch oder gerade deswegen eine lebende, emotionale Urgewalt: Van Morrison. Jetzt hat der kleine, kugelrunde Mann aus Belfast, der Nashville nur vom Namen her kennt, seine liebsten Country-Songs auf eine CD gepackt. Geht das überhaupt, werden nun einige wenige Puristen fragen. Die Antwort ist kurz und bündig: Und wie!!!
Mag er auf dem CD-Cover auch noch so mürrisch in seine Karten schauen, musikalisch deckt er sie spätesten mit dem ersten Song auf. Entweder hat sich geographisch einiges verändert, Belfast liegt nun also in Tennessee, oder Morrison versteht einfach die Kunst des Adaptierens - wahrscheinlich kommt hier beides zusammen.
Es treibt einem schon leichte Gänsehaut-Wellen über den Rücken (des Wohlgenusses wegen), wenn die Pedal-Steel zu weinenden Arpeggios ansetzt und Van mit dieser unverwechselbaren Knödelstimme und dem leichten Belfaster Timbre über das "Cheatin' Heart" sinniert - Hank hätte seine Freude daran gehabt. Wie auch all die anderen Sänger/innen, die sich traut vereint im Morrison Country-Himmel wiederfinden. Drei eigene Songs hat er beigesteuert, darunter das titelgebende "Pay The Devil". Und den Teufel sollte man in diesem Fall bezahlen, die Platte ist es allemal wert und die Musik erst recht. Hier zeigt einer Nashville die Harke und wie hoch die Latte hängen kann. Nicht alles muss stromlinienförmig daherkommen, geschliffen sein und glatt wie ein Kinderpopo - wenn das Feeling fehlt, der Groove nur aufgesetzt dahindümpelt, dann wird es Zeit auf die Alten zu hören. Also Van Morrison einlegen, Kopfhörer auf, das Loch im Eimer stopfen ("My Bucket's Got A Hole In It") und die Frage "What Am I Living For?" einfach von Van beantworten lassen.
Wertung: *****
(CD des Monats März 2006)
