Willie Nelson
Let’s Face The Music And Dance
Er kann es nicht lassen, noch knapp vor seinem 80sten kam er uns mit der Aufforderung „Let’s Face The Music And Dance“ und wenn dann einer tanzt, dann er - Willie Nelson. Da greift er also wieder hinein in das American Songbook, singt Irving Berlin, gibt den swingen Fred Astaire und gleich darauf den ebenso swingende Jazz Willie „Django“ Nelson.
Ein wenig erinnert das zwar schon an sein epochales „Stardust“ aus dem Jahr 1987 (und an einige andere Alben, die jenem Platin-Werk folgten), und doch schafft er es wieder (eigentlich „immer wieder“) die Aufmerksamkeit beim Hörer hoch zuhalten. Und wieder klingt mir Nelson Antwort an die Plattenbosse bei Columbia im Ohr, die vor 35 Jahren gegen den Ausflug ins Songbook waren und damals sagten: „Du kannst so ein Album nicht machen, du bist Countrysänger!“ Lakonisch, wie es nur ein Outlaw sein kann, antwortete Willie; „Man darf nicht vorhersagbar sein“.
Diese Überzeugung hat der Mann aus Texas im Lauf der Jahre zu seiner Maxime erhoben: An die hält er sich. Das einzige Vorhersagbare bei der texanischen Ikone.
Wieder ist seine sogenannte Family mit dabei, echte Familie und Wegbegleiter, die im Laufe der Jahrzehnte zu Familie wurden. Die ältere Schwester Bobbie, 82 Jahre jung, haut noch immer in die Tasten des Pianos, Sohn Micah liefert den perkussiven Rhythmus und natürlich fehlt nicht das wichtigste Familienmitglied: Trigger, Willies Gitarre,, von der sicher nicht einmal er selber weiß, wie, was und warum sie noch zusammenhält. Er kann sich nicht von ihr trennen, will es auch nicht, denn er sagt, ich kann und will auf diesen Klang nicht verzichten.
Auf diesem Album erinnert er sich nun an die frühen Jahre seines Lebens und seiner Karriere. Fast alle Songs entstanden zwischen 1930 und 1960 und haben mit Country (davon finden sich gerade mal 2) wenig zu tun. Aber warum vorhersehbar sein. Bei aller Liebe, gerade dafür liebe ich ihn um so mehr. Und wenn Willie am guten alten „Matchbox“ sein Streichholz entzündet, dann schwingt im Geiste zwar noch immer Carl Perkins im Raum, doch so relaxt wie nie zuvor. Uwe Golz
