Gunter Gabriel
Gabriel singt Cash
Braucht Gunter Gabriel noch immer Geld und singt er darum Songs von Johnny Cash auf Deutsch? Man was haben wir über Gunter Gabriel gelästert: pleite, versoffen, ein Abziehbild seiner Selbst. Die Zeiten als sein „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ eine Hymne der arbeitenden Bevölkerung war, lagen lange zurück. Dann veröffentlichte er 2009 sein Album „Sohn aus dem Volke“ und wir waren begeistert. Er hatte sich berappelt. War frischer und hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Sein neues Werk heißt „Gabriel singt Cash“, ist neu und doch schon fast Tradition, denn es ist, wenn man so will, die Fortsetzung dessen, was er 2003 begonnen hat. Damals nahm Gabriel in den Studios von Johnny Cash seine „Tennessee Recordings“ auf, die erste Auflage von Cash auf Deutsch. Den puristischen Cash-Fan wird es möglicherweise schütteln, doch seien wir ehrlich, auch die Ikone Johnny Cash hat in seinen frühen Tagen einiges in unserer Sprache verzapft, was eine gewissen Art von Gänsehaut erzeugte. Denken wir nur an seine Version von „I Walk The Line“ – „Wer kennt den Weg?“
Und dass Gunter Gabriel bei jeder sich passenden Gelegenheit über seine Freundschaft mit dem Mann in Schwarz parliert, geschenkt. Das machen Fans aller Couleur, wenn sie irgendwann einmal auf ihr Idol trafen und Cash war und ist nun mal Gabriels Idol. Aus dessen „Wanted Man“ wurde bei Gabriel der Charterfolg „Ich werd gesucht in Bremerhaven“ und damit entstand dann auch der Kontakt nach Tennessee.
Was der geneigte Hörer Gabriel vorwerfen kann, ist vielleicht die leichte Überproduktion des Ganzen. Die Tennessee Two und Three lassen grüßen, doch zu prägnant und laut wie bei Gabriel waren sie bei Cash nie zu hören und so schlägt dieser stampfende Rhythmus manchmal den Song tot. Über die Texte mag man streiten, doch Gabriel hat ja nie behauptet, ein Hölderlin zu sein. Muss er auch nicht und will er auch nicht sein. Wie Cash erzählt der Mann vom Hausboot seine Geschichten, so ehrlich wie möglich. Uwe Golz
Warner Music
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