Various Artists
The Lost Notebooks of Hank Williams
Das Album The Lost Notebooks of Hank Williams darf sich damit schmücken, dass es nach dem Tribute an Jimmie Rodgers, das zweite ist, das auf Bob Dylans eigenem Label veröffentlicht wurde. Aus gutem Grund, unser hoffnungsvoller Literaturnobelpeisträger in spe (2012 gibt es ja wieder eine Wahl) hat das ganze Projekt ins Laufen gebracht.
Als man Hank Williams am Neujahrstag des Jahres 1953 tot in seinem Cadillac fand, fand man in seiner Aktentasche auch Notizbücher. In diesen Heften hatte er sich seine Songideen notiert, um sie dann später zu bearbeiten. Wie das Leben (oder der Tod) so spielt, die Notizbücher gingen auf eine Odyssee der besonderen Art, bis sie dann - nach Irrungen und Wirrungen - beim großen Bob landeten.
Er verteilte die Songtexte - manche fertig, viele aber nur Skizzen, an Musiker, die sich Hank Williams nahe fühlten, mit der Aufforderung die Musik dazu zu schreiben. Er selbst nahm sich dem Text von The Love That Faded an und siehe da, kaum zu glauben, aber Dylans Alter Ego scheint Hank zu heißen. Und natürlich durfte auch die Enkelin Hanks nicht fehlen, Holly. Ihr Part ist passable, aber so ganz scheint sie mit dem Großvater nicht ins Reine zu kommen. Generationskonflikt?
So unspektakulär die Texte, es sind halt die üblichen Williamstexte, wie er sie auch zu Lebzeiten immer wieder gesungen hat, so spektakulär und bunt gemischt sind die Musiker, die unter Dylans Ägide seinem Geist gerecht zu werden versuchen. Und es gelingt hervorragend, diesem ersten Superstar der Popmusik musikalisch nachzuspüren. Von Jack White weiß man ja, dass er den Blues liebt, dass er aber auch Hanks Blues spürt und nicht nur Robert Johnson im Herzen trägt, war eine kleine Offenbarung. Mausert sich hier einer als Nachfolger von T-Bone Burnett?
Dieses von Bob Dylan zum Multiartist ausgeweitete Projekt, ursprünglich sollte nur Dylan für die Arbeit begeistert werden, entzieht sich aber auch auf eine merkwürdige Art jeder Kritik. Die Texte von Hank Williams stehen für sich, die Musiker - ausnahmsweise folgt hier mal das Songlisting:
You've Been Lonesome, Too (Alan Jackson)
The Love That Faded (Bob Dylan)
How Many Times Have You Broken My Heart? (Norah Jones)
You Know That I Know (Jack White)
I'm So Happy I Found You (Lucinda Williams)
I Hope You Shed a Million Tears (Vince Gill& Rodney Crowell)
You're Through Fooling Me (Patty Loveless)
You'll Never Again Be Mine (Levon Helm)
Blue Is My Heart (Holly Williams)
Oh, Mama, Come Home (Jakob Dylan)
Angel Mine (Sheryl Crow)
The Sermon on the Mount (Merle Haggard)
Also die Musiker schaffen es durchweg (quasi) ein Niveau zu halten, ohne sich dabei hinter dem alten Williams zu verstecken. Sie alle haben den Geist von Hank eingefangen und ihn über mehr als ein halbes Jahrhundert ins Hier und Heute sicher begleitet. Uwe Golz
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CD des Monats Oktober 2011
Egyptian / Columbia Nashville (Sony)
