Larry & His Flask
By The Lamplight
Wer immer noch denkt Country Music klänge wie Truck Stop oder Tom Astor, der hat einiges verschlafen. Die Fernfahrer-Romantik ist schon längst aus den Songs und der Musik verschwunden. Was das Sextett „Larry & his Flask“ da beim Lampenschein in die Welt setzt, könnte jede Glühbirne zum Platzen bringen. Ihr Album BY THE LAMPLIGHT ist eine Kampfansage an alle heimeligen Wohlfühlmusiker.
Die Zukunft der Country Music liegt eindeutig nicht in Nashville. Während sich dort die Industrie ein fröhliches Stelldichein gibt und im eigenen Saft schmort, brechen diverse junge Bands – quer durch die USA auf – Country und Bluegrass neue Wege zu ebenen. Eine davon dieses Sextett aus Oregon - das ist Punk-Grass vom Feinsten.
“Veränderung, statt Ketten
Keine Ängste mehr und keine Spielchen,
Freunde und keine Trends“
singen da Larry und seine Jungs auf dem Opener des Albums, „Pandemonium. Und wie sie das machen, ist schlichtweg eine Kampfansage an das erstarrte Nashville.
Dass das Banjo jemals zu einem Instrument des Punk werden würde, haben die Ramones oder die Sex Pistols in jenen frühen Tagen ihrer Musik sicher nicht gedacht. Kein Wunder, an Bands wie diese war da auch noch nicht zu denken - erst recht nicht im Country. Erst die letzten zehn Jahre, mit dem wieder zunehmenden Einfluss von Folk- und Old Time-Music, bereitete Bands wie diesem L&HF den Boden für ihre wilde, energetische Mischung aus Punk, Bluegrass und Folk. Dass dabei ein wenig Staub aufgewirbelt wird – der nun den Nashville-Multis ins Gesicht bläst – kann für die Country Music nur gut sein. Und während die Traditionalisten noch immer durch San Antone walzen, haben sich Larry und seine Kumpane aufgemacht die Tradition ins 21. Jahrhundert zu verfrachten. Nicht immer ein rein akustisches Kraftwerk sind ihre Songs die perfekte Begleitung für einen Sommer voll Gewitter und Hitze – das musikalische Wetter „Made in Oregon“. Uwe Golz
****1/2
Xtra Mile Recording
